Wie bleibt man kreativ, wenn das Leben rundherum tobt?
Diese Frage stand am Anfang eines täglichen Rituals, das meinen künstlerischen Weg nachhaltig geprägt hat – und ihn bis heute prägt.
Im August 2023 fasste ich den Entschluss, jeden Tag eine Skizze anzufertigen. Nicht als Zeichenübung im klassischen Sinn, sondern als bewusste Entscheidung: Meine Kunst sollte einen festen Platz in meinem Alltag bekommen – unabhängig davon, wie laut das Leben draußen ist. Es ging nicht darum, täglich ein «Kunstwerk» zu erschaffen, sondern konsequent den Stift in die Hand zu nehmen und zu sehen, was entsteht.
Was anfangs wie eine einfache Routine wirkte, entwickelte eine unerwartete Tiefe. Über 900 Tage später ist dieser Prozess lebendig wie am ersten Tag – und hat sich in viele Richtungen entfaltet.
Zunächst arbeitete ich mit Fineliner im Urban-Sketching-Stil – (klein)städtische Szenen, anfangs menschenleer, später belebt. Die Motive fand ich in meinen eigenen Fotos, online oder unterwegs – ich zeichnete, was mich im Moment berührte. Dabei stellte sich heraus: Frauengestalten und -gesichter begannen mich besonders zu interessieren. Zwei Skizzenbücher lang widmete ich mich fast ausschließlich weiblichen Körpern, dann rückten Porträts in den Fokus. Weil Gesichter mit Fineliner eine Herausforderung waren, griff ich zum Bleistift – und fand große Freude an der Nuancierung durch verschiedene Strichstärken.
So entstand eine ganze Serie fein gearbeiteter Bleistiftporträts, vorwiegend von Frauen. Ein Haufen winziger, bis zum letzten Rest gespitzter Bleistifte begleitet diese Phase wie ein stilles Archiv des Fortschritts.
Anfang 2025 kam der Impuls, Porträts digital und in Farbe umzusetzen. Mithilfe von Tutorials vertiefte ich mein Wissen, entwickelte eine eigene Bildsprache – und schuf eine Vielzahl digitaler Porträts, die ihren Weg zurück ins Analoge fanden: als Fineart-Drucke in eine meiner Ausstellungen.
Diese stetige Praxis wurde zur Quelle immer neuer kreativer Impulse. Es folgten Stoffmuster, digitale Stillleben, Tattoo-Designs – und immer neue Formen des künstlerischen Ausdrucks. Die tägliche Zeichnung ist längst mehr als nur Routine. Sie ist ein Raum der Entdeckung geworden, ein Gefäß für Entwicklung, ein Rückzugsort – und ein Fenster nach außen.
Ich poste auf meinem 2. Instagram Account «theaherzig» in lockerer Folge alle (im Moment) 14 Skizzenbücher Tag für Tag. Das gibt einen Einblick in die Entdeckungsreise, die ich seit 2,5 Jahren unternehme und die noch lange nicht zu Ende ist.





