
Astrid Volquardsen war eine fantastische Pastellkünstlerin und ein wunderbarer Mensch. Ihr Tod hat mich tief betroffen gemacht. Sie hat den Kampf gegen den Hirntumor verloren, der 2018 bei ihr diagnostiziert worden war.
Astrid war diejenige, von der ich in mehreren Kursen in Hamburg das Fundament meiner Pastelltechnik gelernt habe. Mein erster Kurs bei ihr liegt inzwischen mehr als vierzehn Jahre zurück.
An einen Moment erinnere ich mich bis heute. Während eines späteren Kurses stellte sie mir eine Frage, die mich über Jahre begleitet hat:
“Thea, musst du eigentlich immer alles so durchschärfen?”
Oder anders formuliert: Muss es immer realistisch sein? Warum nicht etwas lockerer, freier, abstrakter?
Diese Frage liess mich nicht mehr los. Ich habe monatelang darüber nachgedacht. Photorealismus war damals nicht im Trend und ist es auch heute nicht. Das allein wäre für mich nie ein Grund gewesen, ihn aufzugeben. Aber die grundsätzliche Frage dahinter ist berechtigt: Hat das möglichst genaue Abbilden der Wirklichkeit in der Kunst überhaupt eine Berechtigung? Oder zugespitzt formuliert: Ist Hyperrealismus Kunst? Wäre ein Foto nicht genauso gut?
Vor vierzehn Jahren gab ich Astrid nach langer Überlegung meine Antwort. Mit einem Augenzwinkern sagte ich:
“Es scheint, als müsste ich das tatsächlich.”
Und genau so fühlte es sich an.
In diesem Jahr habe ich einen weiten Schlenker gemacht und bin tief in die Abstraktion eingetaucht. Diese Reise hat mir zwei wichtige Erkenntnisse geschenkt.
Die erste: Abstraktion ist unglaublich genussvoll. Man kann die Kontrolle loslassen und sich ganz dem Fluss der Intuition hingeben. Das hat eine Freiheit, die ich sehr schätze.
Die zweite Erkenntnis hat mich zurück zu meiner eigenen Arbeit geführt. Ich male die Natur in meinen Patterns nicht deshalb so genau, weil ich zeigen möchte: «Schaut, wie gut ich malen kann.» Das interessiert mich eigentlich gar nicht.
Ich male sie, weil ich ihre Formen, ihre Farben und ihre unerschöpfliche Schönheit zutiefst bewundere. Mit jedem Blatt, jeder Blüte und jeder Frucht möchte ich den Blick des Betrachters verlangsamen.
Ich möchte mit meinen Bildern sagen:
«Schau hin. Nimm dir Zeit. Ist es nicht unglaublich, wie schön diese Welt ist?»
Vielleicht war das die Antwort, nach der Astrids Frage all die Jahre gesucht hat.
(Hier ihr Nachruf auf ihrer Webseite: https://www.volquardsen.art/2026/06/28/astrid-volquardsen-4-09-1969-25-06-2026/ )
