
Das siebte Pattern entstand in einer Zeit grosser innerer Veränderung. Das tägliche Arbeiten daran wurde zu meinem Anker – zu einem Ort, an dem Erschöpfung, Unruhe und innere Schwere für einige Stunden einer klaren Aufgabe wichen. Auch in dieser schwierigen Phase gab ich die Vorstellung von der Künstlerin, die ich sein möchte, nicht auf.
Gleichzeitig war dieses Bild eine Herausforderung, die ich mir selbst stellte: Ich wollte herausfinden, was sich verändert, wenn ich nach professionellen Massstäben arbeite und jeden Tag zwei bis drei Stunden an der Staffelei verbringe – anstatt nur hier und da für ein oder zwei Stunden zu malen.
Das siebte Pattern wurde zum schnellsten Bild dieser Grösse, das ich je geschaffen habe. Nach etwas mehr als sieben Wochen war es fertig. Insgesamt entspricht das ungefähr 140 Arbeitsstunden – vermutlich etwa gleich vielen wie bei meinen früheren Patterns, für die ich jedoch jeweils sechs bis neun Monate gebraucht hatte.
Auf die Frage «Wie lange brauchst du für ein solches Bild?» gibt es deshalb zwei Antworten: ungefähr 140 Stunden – oder, abhängig davon, welchen Raum die Kunst im Alltag erhält, zwischen sieben Wochen und neun Monaten.
Das Bild so zügig wachsen zu sehen und täglich mehrere Stunden an der Staffelei verbringen zu können, brachte mir eine tiefe Befriedigung und viel Freude. Die kontinuierliche Arbeit hielt mich im Prozess. Ich musste den inneren Faden nicht jedes Mal neu aufnehmen, sondern konnte am nächsten Tag dort weiterarbeiten, wo ich aufgehört hatte.
Im Moment bin ich dabei, mein Leben um meine Kunst herum zu organisieren – und nicht länger die Kunst um mein übriges Leben. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, vor allem als Künstlerin unterwegs zu sein. Das ist es, was ich immer wollte.
In vieler Hinsicht war die Entstehung von Riding the Dragon ein Ritt auf einem feuerspeienden Drachen. Die Intensität war erschöpfend, doch sie machte mich zugleich wacher und brachte mich immer wieder zurück in meine Mitte.
Auch die Drachenfrucht durchlief eine grundlegende Veränderung, die dem fertigen Bild nicht mehr anzusehen ist. Ursprünglich zeigte sie ihr aufgeschnittenes, weisses Inneres. Doch die offene Fläche brachte die Komposition aus dem Gleichgewicht und wurde zunehmend zum Störfaktor. Deshalb überarbeitete ich die Frucht vollständig und zeigte stattdessen ihre farbige Aussenseite. Nun fügt sie sich in die Palette des Bildes ein, tritt zurück und überlässt der Melone die Bühne – obwohl diese ursprünglich eher als Nebendarstellerin gedacht war.
Darin erkenne ich meinen eigenen Prozess wieder: Nicht alles, was im Inneren geschieht, muss nach aussen sichtbar bleiben. Und manches muss seine Form verändern, damit ein neues Gleichgewicht entstehen kann.
Riding the Dragon steht für den Kampf um meinen Platz als Künstlerin und um den Freiraum, den dieses Leben braucht. Das Bild erzählt von Ablösung, Neuordnung und der Entscheidung, meine Kraft klüger einzuteilen.
Es markiert damit nicht nur eine turbulente Zeit, sondern auch eine Rückkehr: die Rückkehr meiner Energie zu mir selbst und zu meiner Kunst.

